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Wolff Gabriele: Das dritte Zimmer. Innsbruck: Haymon Verlag 2003

Geb., S. 283, 22,00 €.

Lennart Voßwinkel ist der typische deutsche Ministerialbeamte, der seine Zukunft bereits hinter sich hat. Mitte 50 und geschieden leitet er in einem Landesfinanzministerium ein Referat in der Liegenschaftsabteilung. Sein unfähiger Abteilungsleiter, der Karrierist Dr. Wenz, nervt ihn, sein Referent Baumgarten, ebenso ehrgeizig wie hintertrieben, sägt an seinem Stuhl. Bewegung kommt erst in seinen Alltagstrott als der Minister wechselt. Voßwinkel erhält von der neuen Hausleitung den Auftrag, einen von ihren Vorgängern abgeschlossenen Vertrag mit einem Makler zu untersuchen. Dann findet er Dr. Wenz erschossen in dessen Dienstzimmer. Fasziniert von der jungen persönlichen Referentin des Staatssekretärs, Monika Herbst, paktiert Voßwinkel mit den neuen Machthabern und hilft die Affäre möglichst zu vertuschen. Voßwinkel zieht in das dritte Zimmer ein, er wird kommissarischer Nachfolger von Dr. Wenz. Ein für Voßwinkel gefährliches Spiel um Macht und Intrigen beginnt.

Gabriele Wolff, die zeitweise im brandenburgischen Justizministerium tätig war, erweist sich als profunde Kennerin der Ministerialverwaltung. Sowohl die Atmosphäre als auch die Thematik "Privatisierung der Liegenschaftsverwaltung" sind realitätsnah und aktuell. Die intensive Schilderung der Persönlichkeit Voßwinkels und die Frage, wer von den politischen Entscheidungsträgern ungeschoren davon kommt, sorgt für anhaltende Spannung. Das Buch, ein echter Thriller, geht unter die Haut. Gisela Lehmer