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B. Parker, Robert: Bitteres Ende - Ein Auftrag für Spenser (übersetzt von Emanuel Bergmann) Pendragon, 2012. 224 Seiten, €9,95.  

Wahrscheinlich werde ich inzwischen bei den Spenser-Romanen von Robert B. Parker immer milder. Denn mit den ersten Spenser-Romanen revitalisierte und erneuerte Robert B. Parker in den siebziger Jahren das Privatdetektiv-Genre. Heute gibt es unzählige Autoren, die eindeutig von Robert B. Parker und seinen Neuerungen beeinflusst sind. Dazu gehört vor allem, dass der Detektiv einen Freund hat, der notfalls skrupellos für ihn alle Probleme beseitigt und die Freundin des Detektivs, die ihm als moralischer Kompass dient. Denn der Held denkt inzwischen über sein Handeln und seine Überzeugungen nach. In den Spenser-Romanen führt das dann immer wieder zu langen Gesprächen zwischen dem Ich-Erzähler und seiner Freundin Susan Silverman, die ihm als Psychologin versichert, dass seine aus dem Wilden Westen kommenden Werte auch im Licht des Feminismus okay sind.

Außerdem zeichneten die ersten Spenser-Romane ein Porträt der damaligen Zeit und Robert B. Parker brachte neue Themen in das Genre. Vor allem thematisierte er immer wieder den Konflikt zwischen der Macho-Ethik des Privatdetektivs der Mike-Hammer-Schule und der Frauenbewegung. Am deutlichsten in „Bodyguard für eine Bombe“ (Looking for Rachel Wallace, 19800). In dem Roman soll Spenser eine Feministin beschützen. In den späteren Spenser-Romanen wurde es zu einem wiederkehrendem Gesprächstopos zwischen Spenser und seiner Freundin, mit der er nicht verheiratet ist, aber er würde niemals auf eines der zahlreichen sexuellen Angebote von anderen Frauen eingehen. Sein Freund Hawk, der ein solches Angebot niemals ablehnen würde, hat dagegen zahlreiche, ständig wechselnde Freundinnen.

Während Spensers Nachfolger in immer umfangreicheren Geschichten ermittelten, blieb Robert B. Parker bei schlanken zweihundert Seiten. Die US-Ausgaben haben nur dank des extrem großzügigen Layouts und der vielen leeren Seiten mehr Seiten.

Parker blieb auch dabei, die Spenser-Romane, ganz traditionell und ohne Vorspiel, gleich mit dem Fall zu beginnen. Auch in „Bitteres Ende“ sitzt Spenser am Anfang des Romans in seinem Büro, als die Anwältin Elizabeth Shaw seine Räume betritt. Sie vertritt vier Frauen, die mit reichen älteren Männern verheiratet sind und alle eine Affäre mit Gary Eisenhower haben, der sie erpresst. Spenser soll ihn suchen und die Erpressungen beenden.

Selbstverständlich nimmt Spenser den Fall an – und die Geschichte entwickelt sich in den bekannten Fahrwassern und Ärgernissen. Denn das Plotting ist nachlässig und immer wieder hat man den Eindruck, dass Robert B. Parker seine Geschichte einfach während des Schreibens erfindet und danach nicht mehr überarbeitet.

Aber immer noch gefallen sein schnörkelloser Schreibstil und die kurzweilig-witzig-(selbst)ironischen Dialoge.

Außerdem ist „Bitteres Ende“ der 38. Spenser-Roman (wenn man den Young-Spenser-Roman „Chasing the Bear“ mitzählt). Posthum erschienen „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010) und „Sixkill“ (2011). Denn Robert B. Parker starb am 18. Januar 2010 an seinem Schreibtisch. Einen schöneren Tod kann es wahrscheinlich nicht geben – und selbstverständlich stimmt das Wissen von seinem Tod, vor allem nachdem ich fast alle Spenser-Romane gelesen habe, milde.

Inzwischen hat Ace Atkins die Spenser-Serie übernommen und mit „Lullaby“ seinen ersten Spenser-Roman veröffentlicht, der bei den amerikanischen Spenser-Fans gut ankommt.

Pendragon veröffentlicht Ende Juli „Wildnis“ (Wilderness, 1979), eines von Robert B. Parkers seltenen Einzelwerken.

Axel Bussmer

Originalausgabe The Professional G. P. Putnam's Sons, 2009