Menu:

Book covers


  

Spielberg Christoph : Der vierte Tag. München: Piper Verlag 2005. Kart., S. 247, Euro 7,95 €

In seinem fünften Dr. Hoffmann-Krimi wird der nach einer Nachtwache völlig übermüdete Protagonist gemeinsam mit Chefarzt Dr. Zentis und den Nachtschwestern Renate und Käthe sowie drei Patienten Opfer einer Geiselnahme auf der Intensivstation der Humana-Klinik. Ein als Blinder nebst Blindenhund getarnter Geiselnehmer bringt sie in ihre Gewalt. Das Motiv der Geiselnahme ist zunächst unklar und das mit diversen Sprengstoffpäckchen versehene Krankenhauspersonal steht unangenehme Qualen durch. Auch die eher tollpatschigen Aktivitäten der Sicherheitsorgane, so eine dilettantisch inszenierte Befreiungsaktion des Sondereinsatzkommandos tragen nicht zu einer Verbesserung der Situation bei. Aber trotzdem gelingt es Hoffmann nach und nach den Geiselnehmer zu überzeugen, seine Mitgeiseln freizulassen. Parallel dazu versucht er dubiose Machenschaften in der Humana-Klinik bei der Erprobung neuer Medikamente aufzuklären. Doch seine Neugierde wird ihm beinahe zum Verhängnis.

Spielberg, selbst Herzspezialist und eine Zeit lang in Berliner Kliniken tätig, gelingt eine attraktive Mixtur aus spannendem Krimi und Blick hinter die Fassade der "Medizinindustrie" mit Medikamentenversuchen am lebenden menschlichen Objekt, mit dem Blick der Pharmawerte auf den Börsenkurs – auch auf der Intensivstation läuft n-tv – und einem Chefarzt mit hohem Profitsinn und geringen medizinischen Qualitäten. Hoffen wir als Patienten, dass viel Fiktion und wenig Realität im Spiel ist. Sollte die Realität überwiegen, so ist uns die humorvoll ironische manchmal fast schon zynische Schreibweise Spielbergs zumindest ein kleiner Trost. Gisela Lehmer-Kerkloh