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Rudolph, Dieter Paul: Der Bote. Ein Science-Fiction-Krimi aus der guten alten Zeit. Conte Verlag 2012. 168 Seiten, €11,90.

2168 im Weiler Bannkies, die Zeit hat sich selber überlebt, technischer Fortschritt und kulturelles Erbe sind vergessen, übrig geblieben nur Ruinen und seltene Fundstücke aus einer untergegangen Welt. Eine Umweltkatastrophe muss geschehen sein, man spricht von einer Zeit, wo die Salzwüste bis München und das Meer bis zum Harz reichte.

Die Menschen in Bannkies leben in Hütten mit Feuerstellen, rationiertem Wasser, Brot und Bier und scheinen raue unwissende Gesellen zu sein. Aus der Stadt wird mit der Postkutsche ein Kriminalrichter zur Aufklärung eines Mordes an einem Fremden gesandt. Nicht der Mord ist das unerhörte Ereignis, vielmehr wurde bei dem Toten ein Kanister aus Plastik gefunden. Nach den Regeln der Stadt müssen Fundstücke unverzüglich abgegeben werden. Der Kriminalrichter ermittelt und stellt schnell fest, dass in Bannkies die Dinge anders geschehen, sonderbar verdreht und doch folgerichtig. Dies erinnert – wie Henny Hidden in „Rezension: Dieter Paul Rudolph – „Der Bote“ (www.krimilady.de) schreibt an Alice im Wunderland. Jeder trägt ein Geheimnis in sich, sei es der Bürgermeister Winzram oder die junge Lene, die jede Nacht auf einem Stuhl im Zimmer des Kriminalrichters verbringt, strickend und den Kriminalrichter beschützend. Es gibt einen mysteriösen Schäfer, der im Keller des Schäferhauses mit einer fremden Macht, dem Priester, e-mails austauscht, eine verdrehten Streckenläufer, einen alten Magister, der Bruchstücke früheren Wissens von sich gibt und Märchen erzählt und natürlich den Boten. Der Bote kann nur aus dem Dorf stammen und ist der Mittler zwischen Bannkies und einem unbekannten Ort.

In Bannkies geschehen vier Morde, aber wie die Menschen ist auch die Zeit in Bannkies seltsam verdreht. Hilft da Das Märchen von der Zeit ohne Zeit, in dem die Zeit nicht mehr gehen, nicht mehr stehenbleiben, einfach ohne Regel tanzt. Doch „es werde jemand kommen und die Zeit mit sich bringen. Die Schlange Zeit, doch sie würde sich nur um sich selber winden und dem eigenen Schwanz nachjagen, in ihn hineinbeißen“.

Der Bote von Dieter Paul Rudolph ist Science Fiction, ist Krimi, ist Märchen und doch wieder nicht. Der Bote ist spannend und sehr intelligent geschrieben und ein Mittler durch die Zeiten.

Gisela Lehmer