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Nesser Hakan: Kim Novak badete nie im See Genezareth (Kim Novak badade aldrig i Genedarets sjö, 1998). München: btb im Wilhelm Goldmann Verlag 2003. Geb., S. 286, 19.90 €.

Hakan Nesser, in einer Liga mit Mankell und Sjöwall/Wahlöö spielend, ist berühmt für seine Kriminalromane um den schwedischen Hauptkommissar van Veeteren. In “Kim Novak badete nie im See Genezareth” verband er Kindheitsgeschichte mit Krimi und begründete seinen literarischen Ruhm in Schweden. Der 14-jährige Ich-Erzähler Erik und sein Freund Edmund verleben unter der Aufsicht von Eriks älteren Bruder die Sommerferien in einem morschen Bootshaus am See Genezareth. Beide schwärmen für die junge Aushilfslehrern Ewa, die wie Kim Novak aussieht und mit einem Handballstar verlobt ist. Erik und Edmund verleben unbeschwerte Sommertage mit Rudern, Fischen und Rauchen der ersten Zigaretten. Als Ewa eine Affäre mit Eriks Bruder beginnt, droht der brutale Handballstar das harmonische Zusammenleben im Ferienhaus zu zerstören. Am nächsten Morgen wird er mit eingeschlagenem Kopf auf dem Parkplatz am See gefunden. 25 Jahre später liest Erik zufällig einen Zeitungsbericht über ungeklärte Verbrechen und das "Schreckliche" bricht wieder über ihn herein.

Nesser gelingt es sehr gut die harmonische Sommeridylle darzustellen und das Unbehagen der beiden Jungen bei dem Gedanken an deren Zerstörung durch Ewas Verlobten. Er vermag sich hervorragend in die emotional schwierige Gefühlsleben der Jugendlichen zu versetzen, die Sprache nicht als Mittel zum Ausdruck von Gefühlen, sondern zum Verschleiern benutzen. So zieht sich Erik in persönlich heiklen Situationen, wie im Umgang mit der krebskranken Mutter sofort auf Plattitüden zurück, die Wörter "Krebs - Treblinka - Liebe - Bumsen - Tod" werden zu seiner geheimen Litanei für alles Unaussprechliche. Gisela Lehmer