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Manotti Dominique. Argument Verlag 2010, Kart., 252 Seiten. Euro 12.90

 
Übernahmeschlacht.
Wie Schwarzer Schwan von Horst Eckert so hat auch Letzte Schicht einen Vorgang aus dem Wirtschaftsteil der Zeitungen zum Hintergrund. Hier müssen wir allerdings anderthalb Jahrzehnte in das Frankreich des Jahres 1996 zurückgehen. Die französische Regierung beabsichtigte damals den Elektronik- und Rüstungskonzern Thomson zu privatisieren. Überraschend sollte nach Vorstellung der Regierung nicht der große Alcatel Konzern, sondern die kleinere Matra Daewoo Gruppe den Zuschlag erhalten.

So ist es auch in Manottis Buch, das mit der Warnung beginnt: „Dies ist ein Roman. Alles ist Wahrheit, alles ist Lüge.“ Die Manager von Alcatel, allesamt Absolventen französischer Eliteuniversitäten, wollen diese Entscheidung der Regierung natürlich nicht akzeptieren. Ansatzpunkt um den Deal ins Wanken zu bringen, könnte eine defizitäre Daewoo-Fabrik in Lothringen sein, die sich nur durch EU Subvention über Wasser hält. In der Fabrik geht alles drunter und drüber. Die Arbeitsbedingungen sind eine Katastrophe, Unfälle häufen sich, die Stimmung in der Belegschaft wird immer schlechter. Schließlich kommt es zum wilden Streik, die Arbeiter besetzen das Werk, ein Feuer bricht aus. Kurze Zeit später gibt es den ersten Toten. Alcatel sendet über einen Mittelsmann den Privatdetektiv Charles Montoya nach Lothringen.

Manotti hat ein sehr facettenreiches Werk vorgelegt. Die Situation verschiedener Gesellschaftsschichten, einerseits der Eliten in Paris, andererseits der Zuwanderer in Lothringen, die in einer Gegend, die den Strukturwandel nicht vollziehen konnte, ein hartes Los fristen, wird realistisch geschildert. Auch der Privatdetektiv hat eine sehr persönliche Beziehung zu diesem Landstrich. Kunstvoll führt Manotti die unterschiedlichen Handlungsstränge, die während des Lesens jederzeit für Spannung sorgen, zusammen.

Vollkommen berechtigt hat Manotti für Die letzte Schicht im Jahre 2008 den Duncan Lawrie International Dagger Award für den besten in die englische Sprache übersetzten Kriminalroman erhalten. Gisea Lehmer-Kerkloh