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Heuvel & De Waal: Mord im Revue-Palast. (Moord in Tuschinsk; Ü: Monika Götze). Reinbek: Rowohlt 2004. Kart., S. 351,  8.90 €

Amsterdam zwischen den Weltkriegen: Im renommierten Amsterdamer Tuschinski-Theater findet die Premiere der neuen Schakels-Revue "Lass das Licht erstrahlen" statt. In der spektakulären Schlussszene, in der der berühmte Showkünstler Frederik Schakel selber als Sonnengott auftritt, stürzt die komplette Scheinwerferanlage von der Decke und begräbt Schakel unter sich. Der bei der Vorstellung anwesende Polizeipräsident geht von einem tragischen Unfall aus. Der ebenfalls im Publikum sitzende van Ledden Hulsebosch, Besitzer einer großen Apotheke, vor allem jedoch an Erfindungen interessiert, die die Methoden der Kriminalistik vorantreiben können, untersucht den Tatort nach Spuren. Gegen den Widerstand des Polizeiapparates gelingt es ihm schließlich, den Bürgermeister von einem vorsätzlichen Anschlag auf Schakel zu überzeugen. Dazu lässt er in einer Baugrube eine provisorische Bühne aufbauen und rekonstruiert mit Hilfe von Musikern und Schauspielern den Tathergang; ein bislang bei der Polizei unbekanntes Verfahren.

 

Gemeinsam mit dem jungen, modernen Methoden der Polizeiarbeit offen gegenüberstehenden Polizisten Jonathan Saltet werden sie als Sonderermittler zur Klärung des Mordfalles eingesetzt. Da der Täter sowohl über freien Zutritt zum Theater als auch über eine gewisse musikalische Begabung zum genauen Abpassen des Tatzeitpunktes verfügen musste, kommen zuerst die am Theater beschäftigten Künstler als mögliche Täter in Betracht. Die Ermittlungen erlangen jedoch eine neue Dimension als bekannt wird, dass Schakel mit Opiaten handelte.

 

Der Apotheker und Kriminalist C.J. van Ledden Hulsebosch (1877-1952), auch als "Sherlock Holmes von Amsterdam" bekannt, wurde regelmäßig von der Polizei zur Mithilfe bei Ermittlungen hinzugezogen. Der Hobby-Kriminologe führte unzählige Experimente durch, entwickelte ein Verfahren zum Abnehmen von Fingerabdrücken und legte eine erste Verbrecherkartei an. Er gründete 1914 die erste Schule für polizeiliche Spurenuntersuchung und war Mitbegründer und erster Vorsitzender der Acadèmie Internationale de Criminalistique in Wien. Sehr gut geschriebener Krimi, der auch die Atmosphäre in der aufstrebenden Metropole Amsterdam in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ausgezeichnet wiedergibt. Gisela Lehmer-Kerkloh