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Hoppert Andreas: Der Fall Helms. Dortmund: Grafit-Verlag 2002.

Kart., S. 443, 10,40 .

Kann das gut gehen? Ein Sozialrichter, der seinen ersten Kriminalroman an die Ereignisse in Bad Kleinen 1993 anlehnt, als das mutmaßliche RAF-Mitglied Holger Grams umkam. Bundesinnenminister Rudolf Seiters und Generalbundesanwalt Alexander von Stahl mussten damals zurücktreten. In "Der Fall Helms" beauftragt Christina Helms den jungen Anwalt Marc Hagen für sie eine Rente nach dem Opferentschädigungsgesetz einzuklagen. Sie ist davon überzeugt, dass ihr Vater, der mutmaßliche Terrorist und RAF-Mitglied Klaus Helms, 1993 von einem GSG 9 - Kommando in Bad Reichen vorsätzlich erschossen wurde. Das Ergebnis der amtlichen Untersuchung lautete Selbstmord. Hagen übernimmt den scheinbar aussichtslosen Fall nur, weil er massive Geldsorgen hat und ihm ein standesrechtliches Verfahren ins Haus steht. Unterstützt werden die beiden durch den heruntergekommenen Journalisten Martin Conzen, der durch die damalige Berichterstattung seinen Job beim SPIEGEL verlor. Ein Informant, der die Selbstmordtheorie widerlegen konnte, sprang in letzter Minute ab und die Sensationsstory platzte. Eine Spur scheint zum Grünen-Innenminister Sascha Schneider, der in jungen Jahren über die Frankfurter Sponti Szene Kontakte zur RAF hatte, und seiner Staatssekretärin Elisabeth Günther zu führen.

Es kann gut gehen: Hoppert vermag die schwierige Balance zwischen Fiktion und Realität zu halten. Daraus gewinnt das Buch einen Großteil seiner Spannung. Dieses wird nicht nur durch die Namenwahl Helms - Grams, Sascha - Joschka oder Bad Reichen - Bad Kleinen deutlich. Einerseits verwertet Hoppert interessante tatsächliche Geschehnisse wie die Geschichte der RAF, die Verbindung eines Ministers zur Frankfurter Sponti Szene oder die Schilderung der Abläufe auf dem Bahnhof. Andererseits stellt er durch fiktive Elemente, wie die Staatssekretärin, den Anwalt und die Tochter des Terroristen die Eigenständigkeit des Buches als Kriminalroman sicher. Gisela Lehmer