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      Marina Heib: Drei Meter unter Null.       

 €19.99 Seiten: 256 ISBN: 9783453271111

Heyne Verlag (6-3-2017)

         

Marina Heib lebt und arbeitet in Hamburg als Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Mehrere Krimis, die bei Piper erschienen, gehen auf ihr Konto.

          Nun wagte sie etwas Neues. Ihr ging es zwar wieder um die Darstellung von menschlicher Gewalt, um Hintergründe und psychische Abgründe. Aber diesmal wollte sie nicht nur eine besondere Figur in einem besonderen Umfeld und mit einem ganz bestimmten Dilemma erschaffen, sondern auch eine Erzählstimme, die über die Art des Erzählens transportiert, was sich eigentlich in Kopf und Herz der Heldin abspielt.

          Es ist eine junge Frau, der, von außen besehen, doch eigentlich die Welt offen stehen müsste. Gebildet, hübsch, beruflich erfolgreich – und doch stimmt gar nichts. Denn etwas ist passiert, etwas hat sie an den Rand der Gesellschaft katapultiert, etwas hat sie zur Außenseiterin gemacht, solange sie denken kann – und ihre Erinnerungen reichen zurück bis in ihre Kindheit, ins dritte Lebensjahr. Oder weiter?

          Sie hatte liebende Eltern, fürsorglich, vorausschauend. Sie hatte das Glück der späten Geburt, die Mauer fällt, als sie acht Jahre alt ist – und das ist offensichtlich für alle drei, Vater, Mutter, Kind, nur gut. Und doch wird sie als erfolgreiche Erwachsene zur Mörderin. Zu einer ganz Speziellen. Mehr möchte ich gar nicht verraten, denn die stringent gehaltene Geschichte fängt ohnedies schon mit der letzten Vorbereitung für eine erste Hinrichtung an.

          Marina Heib lässt uns daran teilhaben, wir begleiten die Heldin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, die erklärt (kurz und portioniert, in einem rasanten Tempo, das nur langsamer wird, wenn Erinnerungen aus der Kindheit aufflackern oder die Dankbarkeit dem Trainer gegenüber spürbar wird, der sie schmerzhaft, aber gründlich in das Tötungshandwerk eingeführt hat.) Sie beobachtet, sie ist dem Schönen nicht abgeneigt. Aber das, was ihr gefällt, sie bewegt, sie ausmacht, ist offensichtlich etwas nicht Übliches, etwas, das ihr selbst Angst macht. Und nicht alle Guten in diesem Roman sind tatsächlich gut. Dass es uns LeserInnen trotz des Grusels neugierig bleiben lässt, liegt an der Art, wie Marina Heib erzählt und welche Perspektive sie gewählt hat.

          Ich behaupte, sie ist auf dem besten Weg zu zeigen, dass der Thriller mehr als perfekte Spannung sein, dass er auch literarisch Neues bieten kann. Marina Heib ist dabei, das Genre zu erweitern.

 By Beatrix Kramlovsky