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      Horst Eckert: Wolfsspinne.       

489 Seiten, Rowohlt 2016 19,95.

         

Horst Eckert liefert einen weiteren Beweis dafür, dass er zu Deutschlands Top Thriller Autoren gehört. Geschickt webt er Skandale und Entwicklungen der letzten Jahre, so insbesondere die NSU Affäre, die Pleite des  traditionsreichen Kölner Bankhauses Salomon Oppenheim  - allerdings in Köln (!) - und aufkommende rechte Strömungen in der Gesellschaft in die Handlung ein.

 Bei seinen Romanfiguren hat Eckert ebenfalls Anleihen aus der Wirklichkeit entnommen, so  weist die Geschichte des Rechtsdemagogen Ole Naumann starke Ähnlichkeiten mit dem Lebenslauf des früheren RAF-Anwalts Horst Mahler auf. Letztlich entwickelt Eckert aber eine eigene Geschichte,  in deren Mittelpunkt fiktive Protagonisten wie der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih oder der verdeckte Ermittler Ronny Vogt stehen.  Vertraute Figuren aus früheren Romanen, wie Kriminaldirektor Benedikt Engel, dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Anleihen an die Realität machen für den Leser einen weiteren Reiz der Geschichte aus.

 Eckert will nicht in Konkurrenz zu den Aufklärungsversuchen der Gerichte und parlamentarischen Untersuchungsausschüsse treten, sondern eine spannende Story erzählen. Hierbei legt er kenntnisreich verschiedene Zeitläufe nebeneinander.  Zum einen schildert er das Geschehen im Jahr 2011, als zwei Mitglieder der rechtsgerichteten NSU tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden werden. Ihnen werden Banküberfälle und Morde an Ausländern zur Last gelegt. Zum anderen ist die Handlung im Jahre 2015 angesiedelt. Die Betreiberin des IN-Restaurants Melli Franck wird brutal ermordet und die Ermittlungen führen nicht nur in Düsseldorfs feine Gesellschaft sondern auch ins Drogenmilieu.  Durch den Wechsel der Zeitebenen baut Eckert  gewohnt routiniert einen Spannungsbogen bis zum Showdown auf.

 Bei aller Spannung versäumt es Eckert allerdings nicht die Finger in die Wunden zu legen, so zeigt er – wenn auch fiktiv - die Verstrickung der Geheimdienste in die rechte Szene auf,  und stellt  die rhetorische Frage, ob die Szene ohne die Dienste zeitweise überhaupt existenzfähig gewesen wäre.  Zunehmende Fremdenfeindlichkeit und die Gier nach immer mehr Geld verbunden mit der Überhöhung eigener Interessen und des Zurückstellens des Gemeinwohls stellt er ebenfalls eindringlich dar.

By Gisela Lehmer.