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Fielder Roger M.: Pilzekrieg. Hamburg: Rotbuch/Sabine Groenewold Verlage 2003. Kart., S. 196, 9.90 €

Knooth leidet unter einer verdrängten Erinnerung aus seiner Kindheit, doch das weiß Knooth nicht. Stattdessen schaufelt er unglaubliche Mengen von Essbaren in sich hinein und als der Körper zu kollabieren droht, geht er in eine Klinik in den Westerwald. Die Verkleinerung des Magens soll sein Fett und sein Problem zum Schmelzen bringen. Doch Knooth hat Angst: zuerst vor der Operation, die ihn als fastenden Einsiedler in den Wald fliehen lässt. Dann die Angst vor dem Westerwald, der vergangenes und heutiges Unrecht an Mensch und Tieren aufleben lässt, bis Knooth die Bedeutung seiner Familiengeschichte in den Abläufen erkennt. Hinter Hexenverfolgung, Okkultismus und ländlichem Aberglaube deckt Roger M. Fiedler die überdauernden und gesellschaftlich akzeptieren Antriebskräfte auf: Sex, Geld und Macht. Pilzekrieg hat einen ganz eigenen Zauber, der Schmunzeln und Schaudern über Eigen- und Abartigkeiten der "Westerwäldler" wie der gesamten Menschheit ermöglicht. Hervorragend wird eine Szene geschildert, in der ein imaginäres Gegenüber Knooth zu einer verbotenen Essensorgie verleitet.

Roger M. Fiedler ist bekannt als Autor der Igor Gorski-Triologie "Sushi, Ski und schwarze Sheriffs" (Deutscher Krimipreis 1998), "Eisenschicht" und "Dreamin'Elefantz" ("Marlowe" der Deutschen Chandler Gesellschaft 2000). Gisela Lehmer