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Fava Giuseppe: Ehrenwerte Leute(Gente di rispetto 1975; Ü: Peter O. Chotjewitz). Zürich: Unionsverlag 2003. Kart., S. 256,  9,90 €

Die junge, engagierte Lehrerin Elena wird von Catania in ein sizilianisches Bergdorf versetzt. Die Bewohner sind fatalistisch, ungebildet und werden von den wenigen Großgrundbesitzern beherrscht. Im angrenzenden Slum regiert Armut, Hunger und Schmutz. Alle beobachten das Geschehen von ihrem sicheren Platz hinter den Fensterläden, es herrscht das "Gesetz des Schweigens". Unerklärlicherweise gerät Elena unter den Schutz der "ehrenwerten" Gesellschaft. Wer sie beleidigt, wird am nächsten Morgen tot auf der Piazza mit einer Blume im Mund aufgefunden. Elena beginnt von einer gewaltlosen Revolution zur Verbesserung der Lebensumstände der Allerärmsten zu träumen und bemerkt nicht, dass sie zum Spielball der Mafia wird.

Giuseppa Fava gelingt es hervorragend, Atmosphäre und Menschen in einem trostlosen, nahezu von der Welt abgeschnittenen sizilianischen Bergdorf zu schildern. Er zeigt auf, warum die Moderne auch heute noch an den Jahrhunderte alten Gesetzten der Mafia scheitert. Als Autor von Theaterstücken, Romanen und Sachbüchern war Fava ein Wegbereiter der Antimafiabewegung. Fava wurde 1984 vor dem von ihm gegründeten Theater, in dem seine Anti-Mafia Stücke aufgeführt wurden, ermordet. Gisela Lehmer-Kerkloh