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Eckert, Horst: 617 Grad Celsius. Dortmund: Grafit Verlag 2005. Kart., S. 317, 9,50 € .

Schauplatz des neuen Eckerts, des Meisters des Police Procedurals, ist wieder das Kriminalkommissariat 11 in Düsseldorf mit der neuen Hauptfigur Anna Winkler, einer jungen Kommissarin, die frisch von einem Einsatz in Bosnien zurückgekehrt ist. Anna stammt aus einer einflussreichen Familie in NRW. Ihr Vater hat sich vom einfachen Polizisten zum Landtagsabgeordneten hochgearbeitet und ihr Onkel ist der Ministerpräsident Uwe Strom.

 

Nach einer Erdgasexplosion (Zündungstemperatur für Erdgas 617 Grad) im Mai 2005 wird der Kunstprofessor Peter Uhlig tot aufgefunden. Bei der Explosion sterben auch 8 Schwarzarbeiter aus Osteuropa. Die Ermittlungsarbeit führt Anna zu zwei anderen Fällen: Im Januar 2003 hat Anna den jungen und hoffnungsvollen Maler Daniel Lohse tot aufgefunden. Ihre weiteren Ermittlungen haben zu einer Verurteilung geführt. Im Jahre 1976 hat der junge und erfolgreiche Musiker Edgar Schwab in Polizeigewahrsam Selbstmord begangen, nachdem bei ihm mehrere Kilogramm Heroin gefunden worden waren. Die Aufklärung der Fälle stellt nicht nur Annas eigene Herkunft in Frage, sondern wirft auch ein Bild auf die Brutalität der Politszene und entlarvt scheinbare Gutmenschen wie Bernd Winkler, der alles daran setzt, den heimischen Bergbau zu retten. Am Ende verliert nicht nur die SPD die Landtagswahl.

 

Mit gelungenen Rückblenden verarbeitet Eckert die drei Fälle und die verschiedenen Zeitebenen. So kann er seine Leser bis zur letzten Seite fesseln. Die Realitätsnähe und die hautnahe und unverblümte Schilderung des Politbusiness haben dem Buch in der Aufregung der NRW-Wahl nicht nur begeisternde Zustimmung eingebracht. Hierin ist letztlich aber ein Beleg für die Authenzität des Werkes zu sehen. Gisela Lehmer-Kerkloh