Menu:

Book covers




  

          Astrid Korten: Tödliche Perfektion.

                               dotbooks Verlag 2013.

Astrid Korten schreibt schon länger, der vorliegende Thriller ist allerdings der erste, der bei dotbooks erschienen ist. „Tödliche Perfektion” ist ein empfehlenswerter Pharma-Thriller rund um Schönheitswahn und Jugendkult.

Der Wissenschafler Hun Ren wird ermordet. Zuvor hat er seinem deutschen Kollegen Rober Faber seine neueste Entdeckung präsentiert: einen Wirkstoff namens Rebu 12, der den Alterungsprozess aufhalten soll. Hat Hun Ren den sprichwörtlichen Jungbrunnen gefunden? Faber nimmt ihn daraufhin mit nach Deutschland, wo er seine Forschungen weiterbetreiben sollte, da angeblich die Spionagegefahr in der Bundesrepublik geringer ist als in China. Zusammen mit Hun Rens Tod verschwinden auch wichtige Dokumente. Steckt die Sekte Lux Humana dahinter, für die seit Jahrzehnten makelose Schönheit und die Vollendung derselben das wichtigste ist?

Charis Burgess ist seit ihrer Kindheit in den Fängen der Sekte, die in Schottland den Hauptsitz hat, und wird von dieser zu ihrem Werkzeug gemacht. Von klein auf fühlt sie sich wie manisch zu Calum Burgess hingezogen, einem der Söhne des Anführers von Lux Humana, Nathan Burgess. Doch aus dem unschuldigen Kind wird mit den Jahren eine dominante, nach Macht strebende, unbarmherzige und narzisstische Person, die Freude an Gewaltausübung hat und stets im Mittelpunkt stehen muss.

Und dann ist da noch Mairead, das zehnjährige Mädchen im Körper einer alten Frau, das Calum liebevoll umsorgt. Doch wer sind Maireads leibliche Eltern und kann Rebu 12 das Fortschreiten ihrer Progerieerkrankung wirklich verhindern?

Die Autorin bedient sich mehrerer Zeitebenen, Orte und Erzählstränge, die oft sehr rasch wechseln. Konzentration beim Lesen ist deshalb gefragt.  

Die Erzählsprache wechselt je nach Zeit, kulturellem Hintergrund der Personen bzw. dem Milieu und dem Bildungsstand. Sprachlich bedient sich die Autorin einem weitem Spektrum. Die eigentliche Thrillerhandlung ist sehr brutal, hart und schockierend. Der Roman ist rasant erzählt. Dazwischen wird stellenweise immer wieder inne gehalten und in den literarischen Erzählstil gewechselt, was mitunter für den Leser angenehm sein kann, da man Atempausen vertragen kann. Denn die Autorin beschreibt jede Menge Schrecken, Gewalt und Sex. Brutale Sektenkonditionierungsszenen münden in grausame Vergewaltigungs- oder Tötungsszenen. Streckenweise kommt man kaum dazu Luft zu holen.

Dem Thriller merkt man zudem den Background der Autorin an. Viel medizinisches und pharamzeutisches Fachwissen wartet auf die Leser, was impliziert wie genau die Autorin recherchiert hat.

Astrid Kortens Schreibtil ist packend, mitreißend, komplex aber dennoch nicht allzu schwer zu lesen. Die Dialoge sind teils schwungvoll, teils poetisch.

Die Figuren sind plastisch und interessant gezeichnet, agieren glaubhaft und ihrem Charakter entsprechend. Identifikationsfiguren gibt es hingegen nur wenige, wie Kate Corvay. Dafür jede Menge Bösewichte und Psychopathen, die ebenfalls eindrucksvoll beschrieben werden, der Leser kann sogar teilweise verstehen, warum sie so geworden sind. Das führt dazu, dass man sich als Leser stets gut einfühlen kann und somit von den Ereignissen mitgerissen wird und bei den Abenteuern der Protagonisten bis zum fulminanten Showdown wach und aufmerksam mitfiebert.

Der Plot wirkt anfangs chaotisch und unzusammenhängend, mit der Zeit findet man sich aber in die Geschichte ein, vorausgesetzt man liest konzentriert am Buch. Der Spannungsbogen pendelt zwischen mittlerem und hohem Niveau, die Geschichte ist überzeugend und die logische Auflösung ebenso. Einzig der Beginn war mir schon aus einem anderen Roman vertraut.

Jennifer Wind