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                   Uwe Laub: Blow Out.

                             Ullstein Verlag 2013.

 

›Blow out‹ heißt das Buch! Völlig weggeblasen fühlt man sich nach der Lektüre! Dieser Thriller wird niemanden kalt lassen.

 
Gleich der Prolog, der eigentlich eine Rückblende ist, obwohl die weiteren Geschehnisse in der Zukunft stattfinden, beginnt sehr rasant: Ein actionreicher Auftakt, der einem auch zeigt, in welchem Stil das Buch weitergehen wird. Sofort wird der Leser in die Geschichte gezogen und meint die kalte Gischt im Gesicht zu spüren, fühlt sich beim Lesen nass bis auf die Haut, während es auf der Bohrinsel gefährlich hoch und mörderisch hergeht.

Im ersten Kapitel folgt der krasse Gegensatz: Stille, Ruhe, Sonne, abgestorbene Äste ragen aus dem Wasser, die vom Autor mit Skeletten verglichen werden. Eine besonders schaurige aber treffende Metapher in meinen Augen, da sicher einige echte Skelette am Meeresboden liegen, sei es von Mensch oder Tier.

Die Stimmung des Hauptplots der im Jahr 2052 spielt ist düster und apokalyptisch. Der Leser erfährt das ganze Ausmaß des Klimawandels der letzten Jahre. Die Gletscher der Antarktis sind aufgrund der Erderwärmung bereits geschmolzen. Dadurch entstand die Metropole Antarctic City in der milde 18 Grad Außentemperatur herrscht. Der Meeresspiegel ist eklatant gestiegen, die Küsten Norddeutschlands längst überflutet. Platz zum Leben ist rar geworden. Die obdachlosen Menschen, die nicht mehr bei Verwandten untergebracht werden können, rotten sich in Flüchtlingslagern zusammen. Das größte deutsche Auffanglager für Klimaflüchtlinge befindet sich nördlich von Hamburg gelegen, in Kaltenkirchen. Dorthin bringt Nick Schäfer, freiberuflicher Journalist bei einem Öko-Magazin, seine demente Mutter, wenn auch mit einem mulmigen Gefühl. Doch da sein Heimatdorf kurz davor ist in der Nordsee zu versinken, bleibt ihm keine Wahl.

Zur gleichen Zeit wird seine Ex-Freundin Emma Fischer, die seit Jahren um ihre tote Schwester trauert, von Botschafter Leland Franklin gebeten eine verstaubte Akte aus dem Archiv der US-Botschaft in Berlin zu holen. Ein Top Secret Stempel auf dem Deckblatt der alten Regierungsakte weckt ihre Neugier. Sie stößt auf einen internationalen Skandal, der die Klimakatastrophe mit wissenschaftlichen Experimenten der US-Regierung in Verbindung bringt und sie entdeckt noch Schlimmeres: Leland Franklin wird in der Akte mehrfach in Zusammenhang mit vierfachem Mord erwähnt. Gemeinsam mit Nick beginnt sie zu recherchieren, was nicht unbemerkt bleibt. Bald ist ihnen der amerikanische Geheimdienst NSA auf den Fersen und atemlose Jagd nach der Wahrheit bringt sie in Lebensgefahr.

Nick Schäfer ist ein wundervoll sympathischer Protagonist mit Herz, dem man gern folgt. Mit der spröden Emma Fisher wird man im Gegenzug nicht sofort warm, versteht ihre Handlungen aber im Laufe des Romans besser. Die Spannung zwischen den beiden Hauptpersonen, die einmal ein Paar waren, ist spürbar und verständlich. Sie agieren jederzeit authentisch und ihrem Charakter angemessen, sowie nachvollziehbar. Teilweise ist es auch humorvoll zu lesen, welche Lösungsmöglichkeiten sich die die Protagnonisten einfallen lassen.

Ihnen auf den Fersen ist ein kaltherziger Antagonist, der durchtriebener nicht sein könnte. Ein Bösewicht, wie er im Buche steht und dabei trotzdem nicht zum klischeehaften Abziehbild verkommt.

Uwe Laub versteht es meisterhaft, die Spannung konstant auf hohem Nivau zu halten. Die kurzen, knackigen Kapitel, die oft mit einem Cliffhanger enden, tragen zu einem packenden Leseerlebnis bei.

Auch an konfliktgeladenen, manchmal auch sarkastischen Dialogen hat der Autor nicht gespart, was den Lesefluss fördert. Zusammen mit dem ausgefeilten und durchwegs gutem Schreibstil des Autors führt das zu einem Leseerlebnis der besonderen Art.

Die Perspekivewechsel sind moderat genug gesetzt, um den Personen und Handlungen stets gut folgen zu können.

Den roten Faden verliert der Autor dabei nie aus den Augen. Geschickt setzt er falsche Fährten (Nicht immer ist klar, wer hier eigentlich ›der Böse‹ ist), überraschende Wendungen und verbirgt spannende Rätsel, während der atemlosen Verfolgungsjagd, die in ein furioses Finale mündet, das dort stattfindet, wo die Geschichte auch begonnen hat: Auf der Bohrinsel, die somit die Klammer der Story bildet.

Der Autor spickt das Bild der Zukunft mit liebevoll durchdachten Details, wie neuartigen Kommunikatoren und Segway-Rennen. Trotzdem bekommt das Buch keinen Science-Fiction-Touch, sondern bleibt stets ein realistischer Öko-Thriller. Für ein zusätzliches Highlight sorgen die vom Autor bewusst eingestreuten ›Easter-Eggs‹ für Freunde und Fans.

Jennifer Wind