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      Stefan aus dem Siepen: Das Seil.       

dtv premium 2012. Seiten 175.  € 9.90.

    

„Die Ähren sind wie das Glück. Wenn das Glück zu groß wird, wird es zu einem Leid“, hatte Bernhards Vater immer gesagt. Und so entdeckt Bernhard während seines Abendgangs in einer nicht näher definierten Zeit („Das Getreide stand hoch, in wenigen Tagen würde die Ente beginnen“) und Welt am Rande des Tannenwaldes eine dunkle Linie, die sich durchs Gras zieht.

 

            Ein Seil, weiter nichts und dennoch wird es nicht mehr zur Ernte des Getreides kommen. Am nächsten Morgen haben sich schon einige Dorfbewohner um das Seilende versammelt und es werden immer mehr. Bänke und Tische werden vom früheren Versammlungsort unter dem alten Dorfbaum zum Seilende geholt. Die Männer beschliessen dem mysteriösen Seil auf die Spur zu kommen und ziehen gemeinsam in den Wald. Mit jedem Tag, den sie dem Seil folgen entfernen sie sich nicht nur räumlich weiter weg von ihrem Dorf und ihren Familien.

 

           Als der Wahn des „Nicht-Loslassenkönnens“ und des „Durchhaltewillens um jeden Preis“ schwächer wird und sie endlich die Umkehr beschliessen, ist es zu spät. Sie lassen einen Ermordeten und ihre Unschuld zurück, doch auch ihre Frauen haben ihr Dorf schon längst hinter sich gelassen.

 

By Gisela Lehmer-Kerkloh.