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      Hanns-Josef Ortheil: Die Berlinreise.      


Im April 1964 bricht der damals 12-jährige Johannes mit seinem Vater zu einer mehrtägigen Berlin Reise auf. Für den Vater ist es eine Rückkehr in die Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges. Erstmals kehrt er in die Stadt zurück, in der er kurz vor Kriegsbeginn seine kleine Familie gegründet hat und aus der er auf Krücken als verwundeter Soldat in den heimischen Westerwald zurückkehrte.

 
Gemeinsam mit dem Vater trifft Johannes Freunde seiner Eltern, lernt das „Berlinerische“ kennen, erfährt die schmerzvollen Erlebnisse der Familiengeschichte, erlebt aber auch Zeitgeschichte – das geteilte Berlin, Reden des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt und des Bundeskanzlers Ludwig Erhard zum 1. Mai.

 
Die Schilderung aus der Sicht eines 12-jährigen, der manchmal auch etwas altklug wirken mag, verleiht dem Buch gleichwohl eine gewisse Leichtigkeit. Unangenehme Erfahrungen – wie das Passieren der Zonengrenze – kontrastieren mit eindrucksvollen Erlebnissen – wie dem Besuch eines Konzerts der Berlinere Philharmoniker unter Leitung von Herbert von Karajan. Harmonisch und einfühlsam gehen Vater und Sohn miteinander um. Ortheil vermag die Lesegemeinde mit seiner Familiengeschichte wirklich zu berühren. Das Buch beruht auf den Notizen seiner Jugend. Zeitgeschichte sehr nahe gebracht ohne den fast schon obligaten moralischen Zeigefinger.

By Gisela Kerkloh.