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Groner Auguste: Der rote Merkur. Wiener Kriminalroman aus dem Jahr 1910. Edition moKKa 2011. Geb., 246 Seiten, Euro 19.90

Nachdem Auguste Groner (1859 – 1929) erst unter dem männlichen Pseudonym Olaf Björnson Kriminalgeschichten geschrieben hatte, erfand sie mit Joseph Müller den wahrscheinlichen ersten Seriendetektiv (ab 1887) der deutschsprachigen Kriminalgeschichte. In Der rote Merkur hilft Joseph Müller der Polizei den Mord an einer früheren Gouvernante  aufzuklären. Die Witwe Therese Schubert wird in ihrer Wohnung im 5. Bezirk in Wien von ihrer Nichte tot aufgefunden. Die Wohnung wurde durchsucht, aber Müller findet die wenigen verschwundenen Wertsachen später im Garten. Die Polizei verdächtigt zuerst Otto, den bürgerlichen Verlobten der Nichte der Ermordeten, bzw. Fritz, Ottos Halbbruder, den Mord aus Habgier begangen zu haben. 
Von seiner Familie überredet, stellt sich Fritz der Polizei. Zwar hatte er Gelder seines Arbeitgebers unterschlagen, als Täter kommt er aber nicht in Frage. Nun wird auch der adelige Kreis um den früheren Arbeitgeber der Ermordeten, den Grafen Vivaldi, in die Ermittlungen miteinbezogen. Über den roten Merkur stößt Müller auf das bislang gut behütete Geheimnis der Toten, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Bei dem roten Merkur handelt es sich um eine seltene und sehr wertvolle Briefmarke.
Der rote Merkur ist auch ein gutes sozialkritisches Zeitdokument, das die gesellschaftlichen Moralvorstellungen Anfang des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. So macht Müller, dem von ihm entlarvten Täter klar, dass es ehrenhafter sei, sich der Polizei zu stellen und die Strafe auf sich zu nehmen als sich ihr durch Selbstmord zu entziehen. Gisela Lehmer