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Ambjornsen Ingvar: Den Oridongo Hinauf. Edition Nautilus 2012 (Opp Oridongo, Oslo 2009). Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Geb., 256 Seiten, Euro 19.90

 
Zuerst erinnert dieser Roman an das ruhige, beschauliche Skandinavien der Astrid Lindgren Bücher. Der Ich-Erzähler Ulf Vagsvik, kommt mit Hut, Mantel und einem kleinen Koffer auf eine kleine Insel in Nordwestnorwegen. Der Besuch folgt der Einladung seiner Brieffreundin Berit. Berit hatte nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes diese Brieffreundschaft begonnen. In Wirklichkeit hat Vagsvik jedoch seine Zelte in Oslo abgebrochen und beabsichtigt ein neues Leben mit Berit und der Insel anzufangen. Es soll seine letzte Reise sein und tatsächlich scheint es ein ruhiges, gelassenes Leben mit viel Natur, abendlichem Jazz und langsamen Annäherungen an die anderen Inselbewohner zu werden. Was Vagsvuk in seinem bisherigen 50. jährigen Leben erlebt hat, erfährt der Leser nur in Andeutungen. Zuletzt fuhr er „Den Oridongo hinauf“. Was wie eine seltsame Flussfahrt klingt, scheint ein längerer Aufenthalt in einer „geschlossenen Anstalt“ gewesen zu sein. Diese Erfahrung kann Vagsvuk aber nur verschlüsselt bewältigen.

Dann geschehen zeitgleich zwei schreckliche Ereignisse: Der Vater einer gerade auf die Insel gezogenen Familie stirbt bei seiner Begrüßungsfeier an einem Herzinfarkt und Tom, der junge Sohn der Familie verschwindet spurlos. Alles Suchen bleibt erfolgslos, bis Tom plötzlich wieder wie aus dem Nebel auftaucht und von Vagsvuk gefunden wird. Tom ist völlig verstört, reagiert nicht mehr auf seine Umwelt, sitzt ganz still da und starrt ins Nichts. Da setzt Vagsvuk seine Vergangenheitsbewältigung gemeinsam mit dem Jungen fort. Gemeinsam fahren sie noch einmal den Oridongo hinauf.

 

„Den Oridongo hinauf“ von Ingvar Ambjörsen ist ein großartiges und bewegendes Buch. Die Handlung spannend und packend, der Ton des Autors dagegen unaufgeregt, poetisch und sehr human. Gisela Lehmer