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Bosetzky Horst: Der Kalte Engel. Berlin: Jaron Verlag 2002.

Geb., S. 366, 22,90 .

Der kalte Engel ist nach Wie ein wildes Tier (1995) der zweite dokumentarische Kriminalroman von Horst Bosetzky. Schauplatz ist erneut Bosetzkys Geburt- und Heimatstadt Berlin. Bosetzky rekonstruiert den Fall der Krankenschwester Elisabeth Kusian, die 1949 zwei Menschen im zerstörten Berlin ermordet hat. Die durch den Krieg nicht nur physisch (Verwundung als Lazarettschwester) sondern auch psychisch kranke Elisabeth Kusian flüchtet in eine Scheinwelt und setzt alles daran mit dem Polizisten Kurt Muschan ein neues Leben anfangen zu können. Dabei schreckt sie auch nicht vor Morden zurück, bei denen sie sich ihre chirurgischen Kenntnisse zu nutze macht und die Leichen fachgerecht zerstückelt. Beim ersten Mord verbringt sie die Leichenteile auf Trümmergrundstücke in Ost- und Westberlin. Die Rivalität zwischen der Westberliner Kripo und der Ostberliner Volkspolizei und die sich verschärfenden politischen Gegensätze erschweren die Aufklärung des Falles und machen den Prozess gegen Elisabeth Kusian zu einem Politikum.

Die Aufrechterhaltung der Spannung über 366 Seiten hinweg verdankt das Buch zum großen Teil der hautnahen Schilderung Elisabeth Kusians und der verschiedenen Seiten ihres Wesens mit immer überraschenden Wendungen. Bosetzky gelingt es, die Stimmung im Nachkriegsberlin, in dem sich die endgültige Teilung zunehmend abzeichnet, wiederzugeben. Die fiktive Liebesbeziehung zwischen dem angehenden Staatsanwalt Bernhard Bacheran aus Neukölln (Westberlin) und der Kriminalassistentin Helga Leupahn aus Köpenick (Ostberlin), die bei der Aufklärung des Falles einander näher kommen, dient hier zur Veranschaulichung. Auf der einen Seite steht das bürgerliche Elternhaus Bacherans, auf der anderen die bereits in der SED verankerten Eltern Leupahns. Bosetzky, Berliner Soziologieprofessor, veröffentlichte von 1972 bis 1981 unter dem Pseudonym -ky und gehört zu den profiliertesten deutschsprachigen Krimiautoren. Horst Bosetzky wurde 1992 mit dem Ehren-Glauser des Syndikats ausgezeichnet. Gisela Lehmer