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Birkefeld Richard, Hachmeister Göran: Wer übrig bleibt hat Recht. Frankfurt am Main, Eichborn 2002. Geb., S. 442, 22.00 .

Gelungenes Krimi-Debüt von Birkenfeld und Hachmeister. Die beiden gelernten Historiker haben die Atmosphäre und das Leben im Berlin 1944/45 hautnah nachgezeichnet. Verzweifelung in den Bombennächten und angesichts der heranrückenden Russen, die die Stadt eingekesselt haben. Der SS-Offizier Kalterer wird beauftragt einen Mord an einem "verdienten" Parteigenossen aufzuklären. Kalterer ist ein Veteran, der an vielen zweifelhaften Aktionen der SS teilgenommen hat, angefangen mit dem Anschlag auf den polnischen Soldatensender Gleiwitz über Operationen an der Ostfront und gegen die französische Resistance. Sein vermeintlicher Gegenspieler ist der KZ-Häftling Rupert Haas. Bei einem Bombenangriff gelingt Haas die Flucht und er beschließt die Personen, die ihn denunziert haben können, zu töten. Der ermordete Parteigenosse steht ebenfalls auf seiner Liste.

Neben der dichten atmosphärischen Schilderung überzeugt das Buch durch seine Vielschichtigkeit. Spannend ist nicht nur, ob es Kalterer gelingen wird, Haas Rachefeldzug zu stoppen, sondern auch die Beantwortung der Frage, ob Kalterer bei den kriminellen SS-Aktionen persönlich schuldig geworden ist. Es wird auch gezeigt, wie die Deutschen von der Deportation und Vertreibung ihrer jüdischen Mitbürger in vielfacher Weise profitiert haben. Das Märchen, das keiner oder nur wenige etwas gewusst haben, wird so durch einen Kriminalroman auf anschaulichere Weise widerlegt als durch viele historische Fachbücher. Gisela Lehmer