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Moriarty, James: Die Wahrheit über Sherlock Holmes.

Aus den Unterlagen seines Erzrivalen zusammengestellt von Colonel S. Moran  
Originaltitel: The Moriarty Papers (2011). Übersetzung: Edith Beleites  Frankfurt am Main: Eichborn 2011
12,95 €
ISBN 978-3-8218-3688-1  

Sherlock Holmes‘ Erzrivale James Moriarty, der „Napoleon des Verbrechens“, fühlte sich schon immer missverstanden und im Werk Conan Doyles unzureichend repräsentiert. Jetzt will er der Welt endlich beweisen, dass er und kein anderer als spiritus rector hinter allen Fällen stand, die dieser Einfaltspinsel aus der Baker Street glaubte gelöst zu haben, hinter den Bruce-Partington-Plänen ebenso wie hinter dem Fall des Hundes von Baskerville. Holmes selbst, Watson, Bruder Mycroft und natürlich Inspector Lestrade, so Moriarty, seien lediglich Marionetten an Fäden gewesen, die er, Moriarty, in der Hand gehalten habe. Seine rechte Hand Oberst Moran, so die Fiktion weiter, hat nun den Nachlass dieses manipulativen Genies ohne Rücksicht auf die Chronologie zusammengestellt. Es fehlt zwar eine durchgängige Handlung, doch es werden augenzwinkernd viele neue fiktive Einblicke in die geheimen Zusammenhänge des Kanons gegeben.

Der pseudonyme britische Autor hat mit viel Liebe, Humor und Detailversessenheit zahllose Zeitungsausschnitte, Notizzettel, Speise- und Visitenkarten, Geheimschriften, technische Skizzen und Tagebuchaufzeichnungen fingiert (oder fingieren lassen) und kompiliert. Das auf dickem Papier gedruckte Büchlein im Kleinoktav-Format wurde mit einem Lesebändchen versehen und ist einfach witzig und entzückend – kurzum: das ideale Gastgeschenk für die Einladung beim fortgeschrittenen Holmesianer. Oder auch ein kleines literarisches Praliné zum Sichselberschenken und Selbergenießen.

Notwendiger Nachsatz: Trotzdem sollte sich endlich einmal ein Verleger bereitfinden, die beiden fiktiven Memoirenbände The Return of Moriarty und The Revenge of Moriarty (1974 und1975) des James-Bond-Autors John Gardner (1926-2007) übersetzen zu lassen.

Klaus-Peter Walter